Nach der souveränen Meisterschaft der 1. Mannschaft und dem bravourösen Klassenerhalt der Zweiten in der Sommersaison wollten die Vierziger auch im Winter – hier als eine große Super-Mannschaft – den Titel holen. Und weil Titel mit einem würdigen Finale am meisten Spaß machen, war es auch entsprechend angerichtet: Der HTV traf als Tabellenverführer ohne Punktverlust auf die zweitplatzierte TSG Lützelsachsen/Weinheim 1. Die Bergsträßer mussten lediglich gegen die MTG Mannheim eine Niederlage verkraften, hatten aber sonst alles hoch gewonnen und daher das exakt gleiche Matchverhältnis wie die Jungs vom Hans-Hassemer-Platz. So war klar, dass der HTV bei Sieg oder Unentschieden die Meisterschaft, und damit das Jahreszeiten-Double, mit zurück in die Perle am Neckarstrand nehmen würde, eine Niederlage – egal wie – aber nicht reichen würde.

Drei Matchpunkte holen, das klang machbar… aber: Captain Nils krank und angeschlagen, Nr. 1 Jirka mit akuten Rückenproblemen, die zwei, Markus, mag die Halle und die späte Uhrzeit nicht und Tim auf der Drei verausgabt sich lieber beim Hüttenbau. Wohl dem, der einen Patrick hat. So gingen also Jirka, Markus, Tim und Patrick in die Einzel – der Captain stand fürs Doppel bereit. Mit dieser Aufstellung wird man doch drei Matchpünktchen holen? Leichter geschrieben als gespielt. Tim erwischte auf der Drei wahrhaftig keinen Sahnetag und die Bastelei an der neuen Hütte hat sicher nicht geholfen. So war auf der Drei nicht viel zu holen und das, obwohl der Gegner auch den ganzen Tag an einer Tennishütte gebastelt hatte – er war schlicht besser. Jirka kämpfte wacker gegen einen guten Gegner und einen miserablen Rücken und musste sich denkbar knapp im Match-Tierbreak geschlagen geben. Das sah nun erstmal nicht so gut aus. Aber auf den anderen plätzen lief es besser: Markus brauchte exakt 0:5 Spiele, bis er sich an Teppich und Uhrzeit gewöhnt hatte und schlug seinen Gegner letztlich knapp, aber verdient im Tiebreak. Patrick gewann als einziger den ersten Satz, musste den Zweiten aber abgeben. So kam es zum dritten Match-Tiebreak in vier Einzeln – wiederum mit einem guten Ende für den HTV.

2:2 also nach den Einzeln, ein Doppel musste zur Meisterschaft gewonnen werden. Dreimal Match-Tiebreak, einmal 4:6, 4:6 deutete auf vieles, aber keine leichte Aufgabe hin. Und so wurde im Mannschaftsrat taktiert und strategiert, psychologiert und gewahrsagt, gedenkt und gedacht, vermutet und behauptet, bis sie endlich die Stand, die Aufstellung zu Double: Der Captain geht rein, ganz klar! Jirka muss spielen, soweit die Ibus tragen. Markus ist zu gut, um sich zu drücken und Patrick war nach der starken Einzelvorstellung nicht nur im Flow, sondern gilt ohnehin als Mentalitäts-Monster und wird unter Druck zuverlässig zum Diamanten. Tim ging raus und hatte dort mit der Abteilungsleiterin, dem Getränkehamers, Coach Freddy und dem ewigen Benny eine mehr als nette Fangesellschaft.

Folgende taktische Aufstellung ergab sich nun nach all dem Gedenke: Jirka macht das Zweier stark, um mit Patrick das Ding klar zu machen. Nils und Markus versuchen im Einser alles, um den Punkt abzusichern. So weit die Idee… als beide Doppel den ersten Satz verloren hatten, wurden die Fragezeichen über den Köpfen aber langsam größer. Im Einser stand beim Gegner ein eingewechselter Doppelspezialist und Markus‘ Einzelgegner – selbst aus HTV-Sicht mit einer beeindruckenden Doppel-Physiognomie ausgestattet – auf dem Platz und letztlich waren viele Spiele knapp, aber das Ergebnis mit 3:6, 2:6 doch ebenso deutlich wie unerfreulich. Zum Glück berappelten sich Jirka und Patrick im Zweier und holten den zweiten Satz. So muss es sein: Bei zwei praktisch gleich guten Mannschaften entscheidet der finale Match-Tiebreak über die Meisterschaft! Es ging hin und her und her und hin, bis sich die Bergsträßer mit 5:8 leicht absetzen konnten – Oh-Oh… Aber so sollte es nicht enden. Jirka schlug nochmals Brachial-Vorhände, als bräuchte man keine Bandscheibe und Patrick beherrschte das Netz wie weiland Dikembe Mutombo die NBA-Zone. 9:8 – Satzball, Matchball, Doubleball. Vergeben! 9:9: noch ein Fehler – Matchball Gegner. Abgewehrt und 10:10. Wieder der Gegner zum Matchgewinn bei 10:11. erneut abgewehrt. HTV punktet, Double-Ball, Jirkas Stirnband fliegt, Patrick deutet eine fast schon euphorische Jubelgeste an, Platzsturm (also so schnell Herren 40 nach zwei Matches und um kurz vor Mitternacht noch Plätze stürmen können), Jubel, Bierchen, P11, Meisterschaft, AUFSTIEG!