Die Herren 40/1 mussten zum Nachsitzen nach Hilsbach, war das Spiel doch in der vergangenen Hitzewelle abgesagt worden. Und so kam es eher zu einem mathematischen, denn einem dramatischen Finale: Alle anderen Teams waren durch und der HTV ungeschlagen Tabellenführer – dicht gefolgt von Waldpark Mannheim mit nur einer Niederlage: Nun braucht es keine großen Rechenkünste, um festzustellen, dass ein Sieg reicht. Aber auch eine Niederlage kann genügen, wenn… und los ging das Gerechne in der Whatsapp-Gruppe. „Nix da!“ – ein Machtwort von Jirka musste genügen – „Wir fahren da hin, um deutlich zu gewinnen. Sowas geht immer schief!“

Gesagt-getan, geliefert wie bestellt: 7:2 wurde das Speil gegen die Hilsbacher Jungs souverän gewonnen und bevor nun auf das Sportliche, das Emotionale, das dann doch Tragische und alles, was eben in so einen Bericht gehört, eingegangen wird, kurz zu besagten Hilsbacher Jungs: Als die HTVler auf der wunderschönen Anlage im Kraichgau ankamen, wurde man kaum begrüßt. Der Gegner war damit beschäftigt, die Plätze von Hand zu wässern, weil die Kommune wegen Trockenheit die Entnahme aus dem nahen Waldsee untersagt hatte. Eine Sisyphos-Arbeit, aber tapfer. Ansonsten zeigten sich die Hilsbacher als überaus fairer und freundlicher Gegner und Gastgeber und das abendliche gemeinsame Essen war in Fülle, Geschmack und Vielfalt herausragend. Dafür sei an dieser Stelle herzlich gedankt!

Nun aber zum Sportlichen und was sonst noch so dazugehört: Aufgrund vieler Verletzungen, privater Termine und deutscher Meisterschaften musste viel gebastelt werden, um eine schlagkräftige Truppe auf die Courts zu schicken. Hier zeigte sich wieder, die Bedeutung der oft zitierten Breite des Kaders. Denn zweite und erste Mannschaft sind eigentlich ein großes Team und bis auf die verbandlichen Regeln, wird gespielt, wo Bedarf ist („there ist no I in H40“ oder so). Übrigens und jaja, gleich zum Sport: Die Zweite hat die Klasse bereits letzte Woche souverän gehalten.

Jetzatle: Natürlich ignorierte Daniel konsequent Jirkas Befehle und rechnete permanent in Echtzeit mit. In Runde 1 gingen Tim, Axel und Laurent auf die Courts: Schnell waren auf allen Plätzen die ersten Sätze beim HTV und so verkündete Daniel: „Wer den nächsten Satz holt, sei der Meisterspieler!“. Die schwitzenden Protagonisten hielten das für groben Unfug und gewannen sicherheitshalber alle mehr oder weniger zeitgleich. Da war sie also, die Meisterschaft. Der Durchmarsch, schließlich war man als Aufsteiger in die Saison gestartet. Aber die Emotionen? Tim, Sekunden vor den anderen fertig und direkt vor der Tribüne, stellte fest: „Ich bin schon euphorischer Meister geworden.“ Früher wurde man noch von tanzenden Rolands umarmt, Nils hielt Reden mit tränenerstickter Stimme und zumindest flogen Stirnbänder und ähnliches durch die Luft. Aber natürlich weiß jeder Sportler tief in sich: Nur die knappen und ungewissen Erfolge bringen die großen Emotionen.

So ging es in die zweite Einzelrunde. Klar, die Meisterschaft war sicher. Nun ging es um den persönlichen Erfolg und die Botschaft an die anderen Teams. Flo hatte seinen Gegner permanent unter Kontrolle und gewann letztlich genauso sicher wie ungefährdet. Lars ging nach einem langen Match nicht nur als Tennissieger vom Platz, er gewann – wenn auch knapp – den Lars-Feistner-Look-a-Like-Contest. Denn wie Markus feststellte: „ich konnte sie nur an den Trikots unterscheiden. Blieb noch Jirka – an diesem Tag endlich auch dort, wo er hingehört: Auf der 1 und auf dem Centercourt. In einem hochklassigen Match, schien er nach dem Gewinn des ersten Satzes die Oberhand zu behalten und vieles deutete auf seinen sechsten Einzelsieg im sechsten Spiel hin. Bis irgendwas nicht stimmte. Kurzes Innehalten, Griff an den Rücken, Weitermachen… aber Weitermachen schien überhaupt nicht zu gehen. Und wer Jirka kennt, weiß: Der geht nicht wegen eines abgebrochenen Fingernagels vom Platz. So blieb nichts, als Aufzugeben – tabellarisch völlig egal; persönlich tragisch. Die Genesungswünsche an dieser Stelle sind selbstverständlich und so kam es abschließend auch nur zu zwei Doppeln, die Markus/Lars und Tim/Daniel letztlich sicher gewannen und ein 7:2 zu Buche steht. So kommt es zu einer beeindruckenden Saisonbilanz von 12:0 Punkten, 45:9 Matches, 95:24 Sätzen und ganz vielen zu viel weniger Games.

Nun gilt es die müden Knochen zu erholen, die Saiten neu zu bespannen, die Griffbänder zu wechseln – denn nach der Meden-Runde ist vor der Mixed-Runde und das One-Team feat. by ESV Heidelberg will es wieder wissen. Stay tuned…

Übrigens: Unsere nominelle Nr. 1 und unser Trainer, Matias Can, konnte nicht spielen, weil er bei den deutschen Meisterschaften Ü40 antrat. Am Ende hat es nicht ganz gereicht, aber es ist uns eine riesige Ehre, den deutschen Vizemeister im Team zu haben – Glückwunsch, Matias!